Mülheim an der Ruhr Nachrichten

Wieder Schlägerei in Asylunterkunft

Mülheim. Nach einer Schlägerei in einer Asylbewerberunterkunft wurden am Samstag drei Nordafrikaner festgenommen. Einer der Männer leistete dabei Widerstand. Wegen fehlender Konsequenzen durch die Justiz und das BaMF kommen Randalierer aber zumeist am nächsten Tag wieder zurück in die Unterkunft.

Bild: NRW.direkt

Bild: NRW.direkt

Nach Streitigkeiten zwischen sechs Bewohnern einer Unterkunft für Asylbewerber in Mülheim an der Ruhr hat die Polizei am späten Samstagabend drei Männer vorläufig festgenommen. Die aus Tunesien und Marokko stammenden Männer gerieten mit drei Iranern in einen Streit, bei dem es auch zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen ist. Die eintreffenden Beamten konnten noch beobachten, wie ein 37-jähriger Marokkaner mit einer Glasflasche auf einen 27-jährigen Iraner einschlug. Da sich die Beteiligten nicht beruhigen ließen, mussten die Beamten Pfefferspray einsetzen.

Alle in den Streit verwickelten Männer wurden auf der Mülheimer Wache zum Sachverhalt befragt. Auf dem Weg dorthin leistete ein 26 Jahre alte Tunesier Widerstand gegen die Polizisten. Er wurde wegen eines bestehenden Haftbefehls dem Polizeigewahrsam zugeführt. Auch der festgenommene Marokkaner sowie ein 22-jähriger Tunesier verbrachten die Nacht im Polizeigewahrsam. Die drei Iraner konnten die Wache nach Abklärung des Sachverhaltes wieder verlassen. Die Hintergründe der Streitigkeiten müssen noch in den weiteren Ermittlungen geklärt werden. Die drei Festgenommenen stehen außerdem im dringenden Tatverdacht, kurz zuvor einen gemeinschaftlichen Ladendiebstahl in einem Supermarkt begangen zu haben. Hierbei entwendeten sie Zigaretten und Hygieneartikel.

Schauen Justiz und BaMF nur zu?

Im vergangenen Jahr musste die nordrhein-westfälische Polizei zu rund 78.000 Einsätzen in Asylbewerberunterkünfte ausrücken. Das waren im Durchschnitt mehr als 200 Einsätze pro Tag. Ungefähr jeder zehnte Einsatz ist eine Folge von Straftaten, bei den übrigen handelte es sich um Präventionsmaßnahmen. Den täglichen Polizeimeldungen kann schon seit Monaten entnommen werden, dass Essen und Mülheim massiv von Schlägereien in solchen Unterkünften betroffen sind. In den meisten Fällen aber kommen die Schläger nach einer Nacht im Polizeigewahrsam wieder zurück in die Unterkunft. In einem NRW.direkt vorliegenden Schreiben an Ratsmitglieder beklagte der Essener Sozialdezernent Peter Renzel am 11. Februar nach einer ähnlichen Schlägerei wörtlich: „Wir gehen davon aus, dass die Personen heute Nacht oder morgen früh wieder in die Einrichtung zurückgebracht werden. Eine längere Untersuchungshaft scheint nicht möglich zu sein. Das erleben wir bei den gleichen Personen zum wiederholten Male. Die jungen Marokkaner erleben keine schnellen Konsequenzen der Justizbehörden.“

Nur fünf Tage später zeigte sich Peter Renzel im Gespräch mit dem Fernsehsender Sat.1 resigniert: „Es geht so nicht weiter. Die Randalierer dürfen nicht mehr zurück in unsere Einrichtungen, die machen uns alles kaputt. Nach solchen Straftaten muss das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) die Asylverfahren sofort bearbeiten. Für straffällige Personen ohne eine Bleibeperspektive muss die Abschiebung noch im Polizeigewahrsam oder speziellen Landeseinrichtungen organisiert werden.“ (ph)

Print Friendly, PDF & Email