Wirtschaft und Verkehr

Will Lufthansa vollendete Tatsachen?

Düsseldorf. Nur wenige Tage nach der Insolvenz von Air Berlin greift die Lufthansa nach dem größten Teil ihres einstigen Konkurrenten. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstützt das ehemalige Staatsunternehmen dabei. Ein mögliches Übernahme-Angebot durch den Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl oder ein Bieterkampf um die Touristik-Tochter NIKI könnten aber auch weiterhin für Wettbewerb sorgen.

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) zufolge will die Lufthansa 90 der insgesamt 144 Flugzeuge aus der Insolvenzmasse von Air Berlin übernehmen. Dabei soll es sich um Airbus-Flugzeuge von Air Berlin sowie der Touristik-Tochter NIKI handeln, darunter auch die meisten der 17 Langstreckenflugzeuge von Air Berlin. An den von Air Berlin im Regionalverkehr eingesetzten Turboprop-Flugzeugen soll Lufthansa hingegen nicht interessiert sein. Laut der SZ soll auch über das Wochenende verhandelt werden, um schon in der nächsten Woche Einigung darüber zu erzielen, wie Flugzeuge, Strecken und Mitarbeiter von Air Berlin im Lufthansa-Konzern aufgehen können.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich bereits festgelegt und für die Übernahme wesentlicher Unternehmensteile von Air Berlin durch das ehemalige Staatsunternehmen Lufthansa ausgesprochen. „Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr“, sagte Dobrindt am Freitag in der Rheinischen Post. „Deswegen ist es dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen kann“, sagte der CSU-Politiker.

Air Berlin beschäftigt am Standort Düsseldorf jüngsten Angaben zufolge 2.900 Mitarbeiter und stellt rund ein Drittel aller Flüge. Der Volkswirt Justus Haucap, von 2008 bis 2012 Vorsitzender der Monopolkommission und seit 2015 Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, warnte bereits vor „erheblichen Preissteigerungen“, falls der Lufthansa-Konzern an Flughäfen wie Düsseldorf oder Frankfurt weitere Start- und Landerechte bekommen sollte.

Kommt ein erfahrener Unternehmer der Lufthansa in die Quere?

Die Eile der Lufthansa könnte in einem möglichen Übernahme-Angebot des Luftfahrt-Unternehmers Hans-Rudolf Wöhrl begründet sein. Das Wirtschaftsmagazin Capital berichtete am Donnerstag unter Berufung auf gut informierte Kreise, dass der erfahrene Airline-Unternehmer gemeinsam mit anderen Investoren plane, bei Air Berlin einzusteigen. Wöhrl und seine Mitstreiter wollen jedoch die Fluglinie im Ganzen übernehmen. „Air Berlin ist viel zu schade, um sie untergehen zu lassen“, soll Wöhrl gesagt haben. Der Nürnberger Unternehmer hatte vor Jahren die Deutsche BA sowie die Düsseldorfer Ferienfluglinie LTU in spektakulären Rettungsaktionen übernommen und später an Air Berlin verkauft. Mit der Lufthansa verbindet Hans-Rudolf Wöhrl eine jahrzehntelange Rivalität.

Unklar ist noch, wie sich Easyjet verhalten wird. Offenbar wurde die britische Billigfluglinie von der Lufthansa nur mit ins Spiel gebracht, um die Kartellbehörden milde zu stimmen. Nach der Air-Berlin-Insolvenz wurde spekuliert, Easyjet könnte an den Start- und Landerechten von Air Berlin in Berlin-Tegel interessiert sein. Die SZ berichtete am Donnerstag jedoch davon, dass sich ein Bieterkampf um die Air-Berlin-Touristiktochter NIKI abzeichnen könnte. Grund dafür soll das Interesse von Easyjet an deren Start- und Landerechten in Düsseldorf sein. Die aber will sich Lufthansa ebenfalls einverleiben. (ph)

Bild: NRW.direkt

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