Kolumnen Politik

Wir recyceln uns die Welt, wie sie uns gefällt

Deutschland gilt als Saubermann der Welt und als „Recycling-Weltmeister“. Doch was genau machen wir mit dem Müll? Und ist das immer so umweltgerecht? Warum wird deutscher Müll am Strand in Malaysia wiedergefunden? Eine Kolumne von Christian Loose.

Christian Loose

Plastik rettet Leben und schont die Umwelt. Lebensrettende Medizin ist ohne Plastik nicht denkbar. Plastik verlängert die Haltbarkeit von Lebensmitteln und sorgt so dafür, dass wir weniger wegwerfen müssen. Und viele brillentragende Sportler haben in der Kindheit sicherlich auch eine Brille mit Kunststoffgläsern getragen, bevor sie auf Kunststofflinsen umgestiegen sind. Doch wohin mit dem Plastikmüll?

Alle sind für Umweltschutz. Dabei gibt es verschiedene Arten, Umweltschutz zu betreiben. Als Erstes kann man versuchen, bei der Erstellung von Produkten möglichst wenige Umweltbelastungen zu verursachen. So freuen sich viele über ein „sauberes“ E-Auto in Deutschland und übersehen die menschenverachtenden Bedingungen beim Abbau von Kobalt, der für die Produktion der Batterien benötigt wird.

Umweltschutz bei der Ölförderung und der Verarbeitung

Gleiches gilt natürlich auch für den Grundstoff, der bei der Plastikerstellung benötigt wird. Wer erinnert sich nicht an sinkende Tankerschiffe oder schmutzige Ölfelder? Diese Prozesse können wir aus Deutschland nur bedingt beeinflussen. Hier sollte man aber die außenpolitischen Beziehungen nutzen, um die Förderbedingungen zu verbessern.

Weiter geht es aber auch bei der Herstellung in Deutschland. Wir müssen dafür sorgen, dass die Gewässer nicht stark belastet werden und beispielsweise Mitarbeiter keine giftigen Dämpfe einarbeiten. Diese Prozesse können wir in Deutschland direkt beeinflussen. Damit es aber kein Umweltdumping in der EU gibt, müssen hier – realistische – Standards auf EU-Ebene festgelegt werden.

Aber auch beim Produktionsprozess muss man aufpassen, wenn man vermeintlich umweltfreundliche und umweltunfreundliche Produkte miteinander vergleicht. So freuen sich viele Deutsche über Papiertüten und übersehen dabei, dass die Herstellung einer solchen Tüte nicht nur fast doppelt so viel Energie benötigt wie die einer Plastiktüte, sondern dass beim Produktionsprozess auch mehr Chemikalien eingesetzt werden. Die Gesamtbilanz hängt deshalb zumeist von der Nutzungshäufigkeit ab.

Sind die Maßnahmen auch wirklich sinnvoll?

Deutschland hat es sich auf die Fahne geschrieben, möglichst viel Müll zu trennen und zu recyceln. Aber sind dabei alle Maßnahmen auch wirklich sinnvoll? Beim Wort Recycling denken wir daran, dass Müll in neuen Produkten nutzbar gemacht wird: Glas wird eingeschmolzen und zu neuen Flaschen verarbeitet. Aus Papier werden neue Zeitungen oder Kartons. Doch beim Kunststoff wird es mit dem Recyceln deutlich schwieriger. Während PET-Flaschen gut zu recyceln sind, gilt das für Folien oder Obstschalen nicht. Deshalb wird über die Hälfte der Kunststoffabfälle „energetisch verwertet“, etwa in Müllverbrennungsanlagen. Dabei wird Strom und Wärme produziert. Das Müllheizwerk in Essen-Karnap versorgt über das Fernwärmenetz „Fernwärmeschiene Ruhr“ Kunden in Essen, Gelsenkirchen und Bottrop mit Wärme. Häufig wird der Brennstoff „Müll“ sogar als „Biomasse“ eingeordnet.

Aber nicht alles in Deutschland gesammelte Plastik darf verbrannt werden. Gesetzlich vorgeschrieben war bis 2018 eine Recyclingquote von 36 Prozent. Diese wurde zum 1. Januar auf 58,5 Prozent verschärft. Das führt zu einem erhöhten Druck auf Hersteller und Müllverwerter.

Ins Ausland exportiertes Plastik gilt als recycelt

Ein Teil des deutschen Mülls wird bereits jetzt exportiert und gilt damit automatisch als recycelt. Dabei entstehen zum Teil aus dem Müll tatsächlich neue Produkte. Aber auch in Malaysia verbrannter Müll gilt als recycelt. Und so wurden allein 2017 rund eine Million Tonnen Plastikmüll ins Ausland – allen voran nach Asien – exportiert.

Doch was im Ausland wirklich mit dem Müll geschieht, kann oder will keiner so genau wissen. So tauchen immer wieder Berichte von deutschem Müll auf, der an Stränden in Malaysia liegt. Den deutschen Müllverwertern kann das egal sein, denn der Müll gilt nach dem Verlassen der Grenzen offiziell als recycelt. Deutschland landet damit auf einem der Spitzenplätze für Müllexporteure. So wird aus dem scheinbaren Saubermann Deutschland schnell eine Dreckschleuder.

Nur auf den ersten Blick umweltbewusst

Auf den ersten Blick ist man in Deutschland politisch korrekt umweltbewusst. Wir Deutschen trennen fleißig unseren Müll und können uns mit gutem Gewissen beruhigen. In Wahrheit wird unser Müll im schlimmsten Fall in Asien unter freiem Himmel verbrannt oder irgendwo abgeladen, samt gesundheitlicher Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Unsere Regierung scheint dieses fragliche System anscheinend gutzuheißen, wenn der Export bereits als erfolgreiches Recycling gewertet wird. Durch die höheren „Recycling-Quoten“ wird sich das Problem weiter verschärfen.

Es darf nicht sein, dass wir den wertlosen Müll ins Ausland verschiffen, wo die Umwelt stark belastet wird, während wir hier leistungsfähige Müllverbrennungsanlagen mit hocheffektiver Luftfilterung haben – zumal viele Verbrennungsanlagen nicht mal zu 70 Prozent ausgelastet sind. Bei den Umweltfragen müssen wir anfangen, denn kompletten Produktionsprozess zu betrachten. Nur so können Umwelt und Ressourcen effizient geschont werden. Und es wird Zeit, dass wir uns unserer Verantwortung stellen und uns genauer anschauen, was mit unserem Müll im Ausland geschieht.

Die Kolumnen von NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Christian Loose

Der im Münsterland geborene Christian Loose ist seit 2015 wirtschaftspolitischer Sprecher der NRW-AfD. Seit Juni 2017 ist er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Der gelernte Bank- und Diplomkaufmann arbeitete acht Jahre bei einem großen Energieunternehmen und führte dort wirtschaftliche Analysen für Großprojekte ab einer Million Euro durch. Eines seiner politischen Ziele ist es, die Steuergeldverschwendung der Politiker zu bekämpfen, wofür er auch einen entsprechenden Straftatbestand fordert. Sein Lieblingszitat stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money." Übersetzt: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir am Ende das Geld anderer Leute ausgehen wird."