Düsseldorf Panorama

Wird der jüdische Karnevalswagen interreligiös?

Düsseldorf. Der Karnevalswagen der Jüdischen Gemeinde soll als „Idee des interreligiösen Miteinanders“ ausgebaut werden. Am Rosenmontag hatte die Gemeinde erstmals mit einem eigenen Wagen an dem Umzug teilgenommen. „Er ist lieb und brav, alles, bloß kein Karnevalswagen“, kritisierte eine Jüdin später.

Wie die Rheinische Post (RP) am Dienstag berichtete, soll die Teilnahme der Jüdischen Gemeinde am Düsseldorfer Rosenmontagszug als „Idee des interreligiösen Miteinanders“ ausgebaut werden. 2019 könnten sechs Juden, sechs Christen und sechs Muslime auf dem Karnevalswagen der Gemeinde mitfahren. Dazu soll der Wagen umgebaut werden. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde werde sich in seiner kommenden Sitzung mit dem Thema befassen.

In diesem Jahr war die Jüdische Gemeinde zum ersten Mal in der Geschichte des Düsseldorfer Rosenmontagszugs mit einem eigenen Wagen dabei. Darauf abgebildet war der Dichter Heinrich Heine als größter jüdischer Sohn der Stadt. Für den Umzug ließ die Gemeinde 1,3 Tonnen koschere „Kamelle“ aus Israel kommen. Mit auf dem Wagen war auch Dalinc Dereköy, Vorsitzender des Kreises der Düsseldorfer Muslime (KDDM).

Ursprünglich sollte der von dem Wagenbauer Jacques Tilly geschaffene Karnevalswagen am Aschermittwoch wieder eingestampft werden. Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde, soll Tilly jedoch gebeten haben, das Fahrzeug nicht zu verschrotten. „Wer weiß, vielleicht fahren wir ja noch einmal mit“, wurde Szentei-Heise in der RP zitiert.

„Er ist lieb und brav, alles, bloß kein Karnevalswagen“

Die Teilnahme der Jüdischen Gemeinde am Rosenmontagszug hatte in den Medien ein überwiegend positives Echo hervorgerufen. Eine kritische Stimme war jedoch auf dem von Gerd Buurmann betriebenen Blog „Tapfer im Nirgendwo“ zu vernehmen. Dort wurde am Aschermittwoch ein von Simone Schermann verfasster „Aufruf zu mehr jüdischer Provokation“ veröffentlicht.

„Mimikry, Anpassung, Appeasement, ja Unterwürfigkeit“, sei der Wagen nach Ansicht von Schermann gewesen. „Er ist lieb und brav, alles, bloß kein Karnevalswagen. Ohne jeglichen Witz und Pepp, ohne ein Fünkchen Provokation“, kritisierte die Jüdin. Das wahre Motto des Wagens sei gewesen: „Schaut, was wir für Deutschland getan haben. Heinrich Heine ist doch auch Jude und sogar in Düsseldorf geboren. Habt uns doch bitte endlich lieb.“

„Wir lernen also folgendes: Juden in Frankreich und Schweden verlassen wegen antisemitischer Gewalttaten das Land. Und Deutschland? Ein jüdischer Nicht-Themenwagen, ein ,neues Getto‘ auf Rädern, in dem die jüdische Provokation, die Polemik und die Stänkerei weggeschlossen ist, eine Anbiederung, die sich schon darüber freut, wenn Leute am Straßenrand ,Schalom‘ rufen. Karneval ist aber kein schwacher, blinder Narr, der seinen Kopf wiegt, seufzt, bedauert und den christlichen Vermittlern nachgibt. Karneval ist in die Fresse! Und genau das traut sich der jüdische Wagen nicht“, lautete das enttäuschte Fazit von Simone Schermann.

Bild: NRW.direkt

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