Wirtschaft und Verkehr

Wöhrl bietet für Air Berlin

Düsseldorf. Der Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat ein Übernahmeangebot für Air Berlin abgegeben. Dabei kritisierte er auch die Bundesregierung. Wöhrl will Air Berlin als Ganzes erhalten. Bei einer Übernahme der insolventen Airline durch die Lufthansa droht auf vielen Strecken ein Monopol des ehemaligen Staatsunternehmens.

Der Nürnberger Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin übernehmen. Einer Mitteilung seiner Intro-Verwaltungs GmbH zufolge wurde das Übernahmeangebot am Freitag durch eine Münchner Kanzlei formell abgegeben. Ziel sei es, Air Berlin „als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen“. Der Bundesregierung warf der Unternehmer dabei vor, dass manches darauf deute, „dass hier von langer Hand eine einseitige Strategie zu Gunsten der Lufthansa entwickelt wurde“. Auch kritisierte er, erst aus den Medien von der Insolvenz erfahren zu haben und nicht zu den Sondierungsgesprächen eingeladen worden zu sein, obwohl die Intro-Gruppe bereits „seit Jahren ein Beteiligungsinteresse signalisiert“ habe.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz angemeldet. Trotz kartellrechtlicher Bedenken sprach sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sofort dafür aus, dass möglichst viele Teile von Air Berlin durch das ehemalige Staatsunternehmen Lufthansa übernommen werden. Abgerundet wurde das Bild dadurch, dass mit Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann ein ehemaliger Manager aus dem Lufthansa-Konzern nach dem Insolvenzantrag in einem Interview schnell davon sprach, dass die Marke Air Berlin „mit hoher Wahrscheinlichkeit verschwinden“ werde.

Die irische Billigfluglinie Ryanair hatte bereits am Dienstag Bundesregierung und Lufthansa ein Komplott vorgeworfen und Kartellbeschwerde eingelegt. Eine von der Rheinischen Post angeregte Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ergab inzwischen, dass die Lufthansa zusammen mit ihrer Billigflugtochter Eurowings auf vielen Strecken ein Monopol erreichen würden, falls sie den insolventen Wettbewerber Air Berlin und dessen Touristik-Tochter NIKI vollständig übernehmen würde. Bei der Studie wurden andere zum Lufthansa-Konzern gehörende Fluggesellschaften wie etwa Swiss offenbar nicht berücksichtigt. Bei einer Berücksichtigung aller zum Lufthansa-Konzern gehörenden Fluglinien hätte das Ergebnis dieser Studie noch deutlicher ausfallen müssen. (ph)

Bild: NRW.direkt

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