Düsseldorf Wirtschaft und Verkehr

Wöhrl kann sein Konzept vortragen

Düsseldorf. Kommende Woche wird der Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl sein Konzept zur Komplettübernahme von Air Berlin vortragen. Ulrich Wensel, Kreisvorsitzender der Jungen Union, hofft darauf, dass es auch eine faire Chance bekommt. „Für die 2.900 Mitarbeiter von Air Berlin am Standort Düsseldorf, die Fluggäste in der Region und nicht zuletzt für unseren Flughafen wäre das die beste Lösung“, sagte Wensel.

Offenbar läuft die Zerschlagung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin nicht so, wie von der Bundesregierung und der von ihr protegierten Lufthansa gewünscht. Einem Bericht des Fachmagazins airliners.de zufolge ist der Nürnberger Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl für kommende Woche vom Gläubigerausschuss zu Sondierungsgesprächen nach Berlin eingeladen worden. Dort soll Wöhrl sein Konzept einer Komplettübernahme von Air Berlin vortragen. Die Einladung sei eine „erfreuliche Trendwende“, sagte Wöhrl. Der 69-jährige Unternehmer, der in Vergangenheit bereits die Deutsche BA sowie die Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU übernommen und später an Air Berlin verkauft hat, hatte in der Vorwoche angekündigt, zusammen mit anderen Investoren für die insolvente Airline als Ganzes bieten und diese erhalten zu wollen.

Doch was würde eine solche Komplettübernahme für den Flughafen Düsseldorf bedeuten? Hans Rudolf Wöhrls vielfältige Aussagen in der letzten Woche gegenüber den Medien lassen darauf schließen, dass er die Aufstellung von Air Berlin als Drehkreuz-Airline in direkter Konkurrenz zur Lufthansa als Fehler sieht. Stattdessen möchte er zurück „in die Fläche“ und zu den „touristischen Wurzeln“ von Air Berlin. Damit wäre das Air-Berlin-Drehkreuz Düsseldorf in seiner bisherigen Form auf jeden Fall Vergangenheit.

„Nachjustieren“ der US-Langstrecken

Dennoch würden sich bei der Verwirklichung seines Konzepts für den größten nordrhein-westfälischen Flughafen erstaunlich wenige Veränderungen ergeben: Im Langstreckenbereich ist etwa von einem „geringfügigen Nachjustieren“ die Rede, das sich an ganzjährig attraktiven Touristikzielen orientieren soll. Damit hätten Strecken wie etwa von Düsseldorf nach Boston, Chicago oder Toronto bei einem Erhalt von Air Berlin kaum noch eine Zukunft. Die – oftmals gut gebuchten – Langstrecken nach New York, Kalifornien oder zu den verschiedenen Zielen in Florida aber könnten weitergeführt werden. Im Falle New Yorks bliebe allenfalls die Frage, ob die Strecke von Düsseldorf zum Kennedy-Flughafen auch zukünftig zweimal täglich bedient werden soll.

Auch scheint Wöhrl offen für touristische Ziele in Asien. Damit dürften die Nonstop-Flüge nach Bangkok, Phuket oder auf die Malediven gemeint sein, die von der LTU übernommen und erst auf Wunsch des bisherigen Air-Berlin-Großaktionärs Etihad Airways eingestellt wurden. Den Fluggast dürfte es freuen, auf seinem Weg von Düsseldorf nach Thailand zukünftig nicht mehr in Abu Dhabi umsteigen zu müssen.

Kommt der „Mallorca-Shuttle“ wieder?

Bei den Kurzstreckenflügen dürften sich für Fluggäste in der Region um Düsseldorf ebenfalls nur wenig Änderungen ergeben, denn diese Bereiche will Wöhrl wieder stärken. Hier könnte jedoch eine Reduzierung des Angebots drohen, denn wenn Air Berlin wieder Flüge abseits der Drehkreuze Berlin und Düsseldorf anbieten will, müssen die Flugzeuge, die an kleineren Airports stationiert werden, woanders abgezogen werden. Dass Hans Rudolf Wöhrl gegenüber airliners.de jedoch von einem Drehkreuz in Palma de Mallorca gesprochen hat, lässt vermuten, dass der „Mallorca-Shuttle“ – einst ein Markenzeichen der Airline – wieder ins Leben gerufen werden soll. Auf Druck von Etihad Airways hatte Air Berlin im Frühjahr seine Ferienflüge abgespalten und damit auch die Verbindung von Düsseldorf nach Palma de Mallorca auf seine österreichische Touristik-Tochter NIKI übertragen.

„Wir würden es sehr begrüßen, wenn das Konzept von Herrn Wöhrl eine faire Chance bekommen würde“, sagte der Vorsitzende der Düsseldorfer Jungen Union, Ulrich Wensel. „Für die 2.900 Mitarbeiter von Air Berlin am Standort Düsseldorf, die Fluggäste in der Region und nicht zuletzt für unseren Flughafen wäre das die beste Lösung.“ Als wirtschaftlich chancenlos bewertet der Jungpolitiker das Konzept nicht: „Hans Rudolf Wöhrl ist ein erfahrener Luftfahrt-Unternehmer, der genau weiß, was er tut. Und sein Konzept ist nichts anderes als die Rückbesinnung auf das, was Air Berlin lange Zeit mit großem Erfolg betrieben hat“, sagte Ulrich Wensel unserer Redaktion.

Bild: NRW.direkt

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