Monheim am Rhein Politik

Zimmermanns Märtyrer-Vergleich „ignorant“

Monheim am Rhein. Im Streit um die geplante DITIB-Moschee sagte Bürgermeister Daniel Zimmermann, dass auch das Christentum Märtyrer verehre. Der Historiker Michael Hesemann wirft dem Bürgermeister jetzt vor, elementare Unterschiede christlicher und muslimischer Märtyrer zu ignorieren. Eine Nachfrage, ob Zimmermann seinen Vergleich aufrechterhalten will, blieb bislang unbeantwortet.

Michael Hesemann (Bild: NRW.direkt)

Michael Hesemann (Bild: NRW.direkt)

Der Monheimer Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) geriet vor Monaten wegen seines Plans, zwei islamischen Gemeinden kostenlos Grundstücke für deren Moschee-Neubauten zur Verfügung zu stellen, in bundesweite Schlagzeilen. Eine der Gemeinden gehört zum der türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstehenden Dachverband DITIB. Trotz Protesten blieb Zimmermann bei seiner Absicht. Seinem jüngsten Vorschlag zufolge soll der DITIB-Gemeinde ein zweckgebundener Zuschuss in Höhe von 460.000 Euro gewährt werden, damit diese mit dem Geld ein Grundstück für einen Moschee-Neubau erwerben kann.

DITIB hofft auf Prunk-Moschee

Die DITIB-Gemeinde hat ihre Vorstellungen dazu bereits Anfang September in einem an die Parteien verschickten „Raumprogramm“ mitgeteilt. Darin war von einem Gebetssaal für 800 Personen, einer Wohnung für Imam und Hausmeister, acht Schulungsräumen, einer Teestube für 100 bis 150 Menschen, einem Konferenzsaal für 400 Menschen, Spiel- und Hobbyräumen für Kinder sowie einem Geschäft für halales Essen die Rede.

In der Senioren Union wurde daraufhin Kritik laut, die türkische Gemeinde sei im Begriff, in Monheim ein „Imperium“ zu errichten. Günter Bosbach (CDU) wies Zimmermann darauf hin, das Landesinnenministerium habe wegen eines den Märtyrertod verherrlichenden Comic erst wenige Wochen zuvor die Zusammenarbeit mit der DITIB beendet. Möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs: Darstellungen im Internet zufolge sollen in deutschen DITIB-Moscheen Kindercomics mit Titeln wie „Wie ehrenvoll es ist, als Märtyrer zu sterben“ oder „Wie wichtig es ist, gegen die Ungläubigen zu kämpfen“ verteilt werden.

Zimmermann spricht von Gemeinsamkeiten

Daniel Zimmermann aber wies die Kritik an der DITIB zurück. Laut der Rheinischen Post vom 8. September tat er die Vorgehensweise von Innenminister Jäger als „Populismus“ ab: Wenn dieser die DITIB für nicht verfassungskonform halte, müsse er sie auch verbieten. Den Christdemokraten Bosbach habe er daran erinnert, dass auch im Christentum Märtyrer verehrt würden. Das seien Menschen, die ihren Glauben auch im Angesicht des Todes nicht leugneten. Dann habe er seine Kritiker aufgefordert, „mehr auf die Gemeinsamkeiten der Religionen zu setzen“.

Der renommierte Historiker Michael Hesemann sieht diese Gemeinsamkeit jedoch nicht: „Die religionsgeschichtliche Ignoranz des Herrn Zimmermann habe ich mit großem Erstaunen zur Kenntnis genommen“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Märtyrer-Begriff sei im Christentum und im Islam nicht nur grundverschieden, seine jeweilige Definition verrate auch viel über das Gewaltverständnis der beiden Religionen, erläuterte Hesemann. So zeichne sich der christliche Märtyrer durch völlige Gewaltlosigkeit aus. Er leiste seinen Verfolgern keinen Widerstand, er sei eher bereit, sich töten zu lassen, als dass er seinem Glauben abschwören oder falschen Göttern opfern würde, wobei er noch für seine Mörder bete. „Sein Vorbild ist Christus selbst, der am Kreuz seinen Henkern vergab.“

„Diametraler Gegensatz beider Religionen“

Der muslimische Märtyrer hingegen sei ein Krieger, der im Jihad, dem „heiligen Krieg“, sein Leben dafür opfert, möglichst viele „Ungläubige“ in den Tod zu reißen. Sein Ideal ist der Prophet Muhammad, der an seinen Feinden blutige Rache nahm. „Hier also Gewaltlosigkeit, Liebe und Vergebung, dort Kampf, Hass und Vergeltung. Der diametrale Gegensatz der beiden Religionen lässt sich kaum besser belegen als in ihrem jeweiligen Verständnis vom Martyrium“, so Michael Hesemann.

Der „dringende“ Rat des Historikers an Daniel Zimmermann lautet, „sich über die von ihm benutzte Begrifflichkeit zunächst einmal zu informieren, bevor er gleichsetzt, was so diametral und unvereinbar ist.“ Eine am Donnerstagmorgen beim Monheimer Rathaus gestellte Nachfrage, ob Bürgermeister Zimmermann seine Gleichsetzung christlicher und muslimischer Märtyrer aufrechterhalten will, blieb bis zur Veröffentlichung dieses Artikels unbeantwortet.

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