Düsseldorf Panorama

„Zoch“ zwischen Angst und Hass

Düsseldorf. Massive Sicherheitsmaßnahmen sorgten für einen ungestörten Rosenmontagszug. Von der Narrenfreiheit wurde in diesem Jahr jedoch kaum Gebrauch gemacht, zumeist dominierte die politische Korrektheit. Für Irritationen sorgte der offen gezeigte Hass auf den neuen US-Präsidenten.

Ein Spezialfahrzeug dient als Schutz vor Lkw-Anschlägen (Bilder: NRW.direkt)

Massive Sicherheitsmaßnahmen haben dafür gesorgt, dass rund 600.000 Menschen den Rosenmontagszug in Düsseldorf ohne nennenswerte Störungen verfolgen konnten. Rund tausend Polizisten bewachten den „Zoch“, überall waren Einlass- und Taschenkontrollen zu beobachten. Zum Schutz vor Lkw-Anschlägen gab es aus Containern oder Spezialfahrzeugen bestehende Sperren, die von Polizisten mit Maschenpistolen bewacht wurden.

„Uns kritt nix klein – Narrenfreiheit, die muss sein“, lautete das Motto des diesjährigen Umzugs. Tatsächlich aber wurde in diesem Jahr von der Narrenfreiheit auffällig wenig Gebrauch gemacht. Witze über Bundeskanzlerin Angela Merkel und den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz wurden nur angedeutet, blieben aber harmlos und nebulös. In der Lokalpolitik wurde lediglich die Politik der Neuverschuldung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel humoristisch aufs Korn genommen. Gesellschaftspolitische Debatten des letzten Jahres blieben bei den themenbezogenen Karnevals-Wagen ebenso außen vor wie Übergriffe gegen Frauen, denen während des Umzugs mit dem „Frauen-KrisenDienst“ begegnet wurde. Geschmäht wurden nur die AfD und andere sogenannte Rechtspopulisten.

Nur eine Karnevalsgesellschaft wollte nicht politisch korrekt sein

Lediglich die Karnevalsgesellschaft „Tschätta Nouga Neger 1982“ fiel aus dem politisch korrekten Rahmen. Deren Mitglieder hatten sich, unbeeindruckt von möglichen Rassismus-Vorwürfen, ihre Gesichter schwarz gefärbt und verteilten eine früher als „Negerküsse“ bezeichnete Süßware an die Karnevalisten.

Bei den Motto-Wagen von Jacques Tilly dominierte der Hass auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump. So zeigte ein Wagen Trump als Vergewaltiger von Lady Liberty, auf einem anderen präsentierte die Freiheitsstatue Trumps abgehackten Kopf (Bild ganz oben). Im Internet sorgten die Wagen schnell für Kritik und kontroverse Debatten. Möglicherweise wollte Tilly damit als Provokateur in Erscheinung treten. Das aber hätte nur dann funktionieren können, wenn es mit frechen Attacken auf jene einhergegangen wäre, denen die Lkw-Sperren geschuldet waren. Witze über Islamisten waren jedoch in diesem Jahr aus dem Programm gestrichen.

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