Kolumnen Politik

Zwei Kugeln Eis und ein Flüchtling

Anhand eines interessanten Vergleichs wird die Absurdität und Ineffizienz der aktuellen Flüchtlingspolitik in Deutschland in vorbildlicher Weise dargestellt. Eine Kolumne von Christian Loose.

Christian Loose

Die Deutschen fühlen sich moralisch erhaben, weil sie Asylbewerber aus aller Herren Länder versorgen und dafür etwa 20 Milliarden Euro pro Jahr ausgeben. Vermutlich noch bis in das nächste Jahrzehnt. Doch ist diese Hilfe wirklich so erhaben?

Wer durch die Straßen in Nordrhein-Westfalen läuft, sieht manchmal die Werbung des kirchlichen Hilfswerks Misereor. Auf dem Plakat sehen Sie auf der rechten Seite ein junges blondes, blauäugiges Mädchen abgebildet, das gerade ein Eis isst. Auf der linken Seite sehen Sie einen farbigen Jungen, mal aus Ruanda, mal aus Südafrika oder ein farbiges Mädchen aus Indien oder aus dem Tschad. Die dargestellte Geschichte ist dabei immer recht simpel. Beim Eis essenden blonden Mädchen steht der Text: „Zwei Kugeln Eis kosten zwei Euro.“ Neben dem farbigen Jungen aus Südafrika steht: „Zwei Euro helfen mir, eine Woche lang satt zu werden.“

Statt einem tunesischen Flüchtling lieber afrikanischen Kindern helfen

Was hat dieser Vergleich mit dem blonden Eis essenden Kind und dem hungernden farbigen Kind aus Südafrika nun mit der Flüchtlingshilfe in Deutschland zu tun? Die Unterbringung und Versorgung eines Asylbewerbers kostet in Deutschland etwa 1.000 Euro pro Monat. Mit zwei Euro kann dieses Kind in Südafrika nun eine Woche lang leben. Damit stellt sich nun die Frage, wie viele Kinder könnten wir in Südafrika einen Monat lang versorgen, wenn wir einen Asylbewerber aus Deutschland wieder in sein Heimatland, zum Beispiel nach Tunesien, überführen? Das Kind benötigt etwa acht Euro pro Monat, das heißt die Deutschen könnten 125 Kinder in Südafrika einen Monat lang das Überleben sichern.

Nun wird bei Misereor aber nun mal ein Kind mit einem Kind verglichen. Die Unterbringung und Versorgung eines unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbers kostet in Deutschland aufgrund der teuren Unterbringung in einem Kinderheim oder ähnlichem etwa 5.000 Euro pro Monat. Fazit: Wir haben die Wahl, entweder einen einzigen minderjährigen unbegleiteten Asylbewerber in Deutschland zu versorgen oder 625 Kinder in Südafrika vor dem Verhungern zu bewahren.

Deutsche moralische Übermenschen?

Viele Deutsche rühmen sich, wie toll sie den armen hiesigen Flüchtlingen helfen und bemühen als Beleg immer wieder Einzelschicksale. Dafür lassen diese aber Hunderte von Kindern in Südafrika, in Ruanda oder aus dem Tschad hungern. Ist das etwa gerecht? Nein, ist es nicht. Aber die Kinder aus den Armenhäusern von Afrika werden uns auch nicht täglich im Fernsehen vorgeführt und stehen auch nicht vor unserer Tür. Ruanda und Südafrika sind „zum Glück“ sehr weit weg. Und es hört sich im Freundeskreis auch viel besser an, wenn man sagen kann, dass man Kleider für die armen Flüchtlinge in Deutschland gespendet hat, als wenn man erzählen würde, eben mal zwei Euro an Misereor für die hungernden Kinder überwiesen zu haben.

Viele Deutsche fühlen sich moralisch als bessere Menschen. Sie klagen darüber, wie schlecht die Türken oder Griechen oder gar die bösen Ungarn die armen Flüchtlinge behandeln und dass man diese alle nach Deutschland holen müsse. Damit sagen sie nichts anderes, als dass Türken oder Griechen schlechtere Menschen seien als die Deutschen. Man erhebt sich über all diese Menschen. Und ein solches Erheben über andere Menschen hatten wir schon einmal in Deutschland.

Hilfe vor Ort, rigoroses Abschieben und Altersprüfungen

Deutschland muss eine zweiseitige Strategie fahren. Einerseits muss den Menschen über UN-Hilfswerke vor Ort geholfen werden, damit die Kriegsflüchtlinge gar nicht erst gezwungen werden, ihre Camps zu verlassen. Dazu muss Deutschland seinen nicht unerheblichen Einfluss bei der UN ausüben und gegebenenfalls zusätzliche eigene Geldmittel bereitstellen.

Andererseits muss die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket aus Grenzsicherung, Abschiebung und Anreizreduzierung umsetzen. Die Sicherung der Grenze setzt das Signal, dass Deutschlands Kapazitäten erschöpft sind. Eine rigorose Abschiebung von Asylbewerbern aus Touristenländern wie Tunesien und Marokko muss innerhalb von wenigen Wochen stattfinden, etwa mittels Bussen und anschließender Fähren. Die Rückkehrprämien – aktuell 1.200 Euro, wenn derjenige auf das Asylverfahren verzichtet oder 800 Euro, wenn derjenige gegen einen abgelehnten Bescheid nicht klagt – müssen umgehend gestoppt werden. Noch besser aber wäre, wenn Menschen aus befriedeten Staaten wie den Maghreb-Staaten erst gar nicht als Flüchtlinge zu uns kämen oder als Asylbewerber versuchen würden, einen Anspruch zu erhalten.

Umstellung auf Sachleistungen

Bei einem Durchschnittsjahreseinkommen von 500 Euro in Afghanistan bieten allein die Rückehrprämien einen Grund, nach Deutschland zu kommen. Ein Großteil des Taschengeldes – immerhin 198 Euro bei einem minderjährigen Asylbewerber – wird häufig in die Heimat geschickt, damit Verwandte und Freunde bald nachkommen können. Wird das Taschengeld durch Sachleistungen reduziert, entfallen diese Gelder. Niemand schickt eine Jeans oder einen Pullover in die Heimat. Damit sinken die Asylbewerberzahlen, so dass sich die eigentlich teureren Sachleistungen auszahlen werden. Eine Altersüberprüfung bei allen jugendlichen Asylbewerbern könnte das wahre Alter der Asylbewerber feststellen. In anderen Ländern wurden so zahlreiche Betrugsfälle aufgedeckt. Aufgrund der deutlich geringeren Kosten für erwachsene Asylbewerber würde auch dies zu einer spürbaren Kostenentlastung führen. Es kann sogar dazu führen, dass aufgrund des Erwachsenenstatus der Zuzug der Eltern im Rahmen einer Familienzusammenführung unterbunden würde.

Alternative Lösungen sind nie einfach. Aber es wird Zeit, dass sich Deutschland von den vermeintlich einfachen Lösungen nach dem Motto „Alle dürfen rein“ wie auch von dem unsinnigen „Wir schaffen das“-Slogan alsbald verabschiedet. Auch im Sinne der alleinreisenden Kinder und Jugendlichen, denn diese haben ihre Familien verlassen und sind alleine in der Fremde. Und die Familie kann selbst das beste soziale Auffangsystem nicht ersetzen.

Die Kolumnen bei NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Christian Loose

Der im Münsterland geborene Christian Loose ist seit Mai 2015 wirtschaftspolitischer Sprecher der NRW-AfD. Seit Juni 2017 ist er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Der gelernte Bank- und Diplomkaufmann arbeitet seit sieben Jahren bei einem großen Energieunternehmen und führt dort wirtschaftliche Analysen für Großprojekte ab einer Million Euro durch. Eines seiner politischen Ziele ist es, die Steuerverschwendung der Politiker zu bekämpfen, wofür er auch einen entsprechenden Straftatbestand fordert. Sein Lieblingszitat stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money." Übersetzt: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir am Ende das Geld anderer Leute ausgehen wird."